Spaziergang durch den Wildpark Peter und Paul in St. Gallen

Das erste Mal sind wir auf den Tierpark Peter und Paul in St. Gallen im Winter vor 3 Jahren aufmerksam geworden. Wir wollten nicht unbedingt in die Berge fahren, um einen erholsamen Schneespaziergang zu machen, wussten aber von Bekannten, dass St. Gallen in der Ostschweiz ein Garant für Schnee ist. Denn während am Bodenseeufer kleine Schneeflocken auf der Wasseroberfläche verschwinden, bleibt der Schnee im 780 Meter hoch gelegenen Wildpark Peter und Paul wunderbar liegen. Aber nicht nur im Winter ist der Park mit vielen unterschiedlichen Tiergehegen einen Ausflug wert.

 

Heute hat es, ganz im Gegensatz zu unseren bisherigen Ausflügen in den Wildpark, 30 Grad im Schatten. Gut, dass wir mit unserer Vespa Pepe unterwegs sind – da kühlt der Fahrtwind die Ausflugsgemüter. Und einen weiteren Vorteil hat der Rollerausflug – denn als wir zur Mittagszeit am Parkplatz des Wildparks ankommen, sind alle (geschätzt 30) kostenlosen Parkplätze belegt. Daher unser erster Tipp : vor oder nach 13 Uhr anreisen :)

Wir beginnen unsere Erkundungstour ausgehend vom Parkplatz, neben dem sich auch das Wildpark Restaurant befindet. Von dessen Terrasse aus hat man einen überragenden Blick auf die Ausläufer des Bodensees. Anhand der Beschilderung rund um den Parkplatz wird klar, dass Rotmonten, als nördlichstes Quartier St. Gallens, idealer Ausgangspunkt für weitere Wanderungen ist. 

Wir starten an den Gehegen der Steinböcke und Gämse, wobei wir feststellen müssen, dass diese Sommerhitze nicht nur uns zu schaffen macht. In den aufwändig angelegten Gehegen suchen alle Tiere nach Schatten – mehr als verständlich. Das Ganze hat den Vorteil, dass der Besucher umso genauer und aufmerksamer hinschauen muss, um einen Steinbock vor den grauen Kletterfelsen zu entdecken. Also halten wir weiter Ausschau und entdecken in den kommenden Gehegen schläfrige Damhirsche und gefräßige Wildschweine. Im Anschluss an das Wildschweingehege lebt sozusagen das Schweizer Nationaltier: das Murmeltier. Hier verweilen wir sehr lange, da die kleinen Nager einfach unglaublich quirlig und süß sind. Auf der informativen Internetseite des Wildparks wird man immer über Aktuelles informiert und so weiß man zum Beispiel auch, dass die Murmeltiere seit 14. März aus dem Winterschlaf zurück sind :)

Als wir uns dann doch von den Murmeltieren losreißen können, führt unser Weg in Richtung Parkwärter-Haus, das wir uns aufgrund der schönen Fassade immer wieder gerne anschauen (auch wenn es minimal von der Tierpark-Route abweicht). Außerdem befindet sich direkt hinter dem Parkwächter-Haus der ‚Hof Kirchli‘ der Familie Mösli. Hier kann man nicht nur direkt Eier und Fleisch kaufen, sondern auch Mutterkuh- oder Obstbaumpate werden. Ein weiteres Highlight dieses Hofes ist die sogenannte Stallvisite. Dies bedeutet, dass der Stall des Betriebes zu bestimmten Zeiten für Besucher frei zugänglich ist und man die Mutterkühe mit ihren Kälbern besuchen kann. Ziel ist es, der Bevölkerung die Landwirtschaft näher zu bringen und zum direkten Erleben einzuladen.

Wieder zurück auf der Wildpark-Route biegen wir am Rothirsch-Gehege auf die Hirtenstrasse ab und es eröffnet sich uns ein atemberaubendes Panorama. Glasklar präsentiert sich die gesamte Alpenkette inklusive dem Koloss Säntis. Der gesamte Ausblick und die Berge sind zur Orientierung auf einer Panoramakarte rechts neben dem Weg verzeichnet. Weiter bergab geht es zum Wildkatzen-Gehege und den Sikahirschen. Da der Weg hier durch den dichtbewachsenen Wald führt, ist die Temperatur merklich angenehmer. So gelangen wir zu dem großzügigen Gehege des Luchs. Allerdings wohl etwas zu großzügig, denn trotz intensiven Guckens können wir das Pinselohr nicht erspähen.

 

Der 1892 ins Leben gerufene Wildpark Peter und Paul in St. Gallen ist nicht nur ein sehr schönes Ausflugsziel, sondern hat auch große Bedeutung in der Erhaltung heimischer Tierarten. So konnten 1911 beispielsweise erste Kolonien von Steinböcken aus der Zucht des Tierparks wieder in verschiedenen Kantonen der Schweiz angesiedelt werden, obwohl zu dieser Zeit Steinböcke im Land fast ausgerottet waren. Zudem ist der Zürcher Bildhauer Urs Eggenschwiler, der 1902 den ersten Kletterfelsen für den Wildpark konzipierte, ein Vorbild der Zooarchitektur.

Auf unserem Rückweg in Richtung Konstanz kommen wir über zahlreiche Landstraßen wieder an die Seestraße, welche parallel zum Bodenseeufer auf Schweizer Seite verläuft und die wir bis Kreuzlingen durchdüsen möchten. Kurz vor der kleinen Gemeinde Bottighofen legen wir allerdings noch einen Boxenstopp ein – ein Blumenverkauf direkt neben der Straße hat uns dazu veranlasst. Als wir näher herangehen, wird uns klar: das ist kein normaler Blumenstand, das ist ein kleiner Garten. Hinter der Hütte, die als Verkaufsstand dient, erstrecket sich eine großzügige Anlage mit Blumen zum selber pflücken. Dazu sind geschmackvolle Bänke zum Verweilen aufgestellt und es gibt einen wunderschönen Stauden- und Kräutergarten. Das alles mit direktem Blick auf den Bodensee. Wer also hier vorbeikommt, sollte unbedingt einen Stopp einlegen und das Kleinod genießen.



Zeit:

00h35min


Höhenmeter:

33m


Fitnesslevel:

1/5


Strecke:

1,39km


Untergrund:

Schotter